I will be giving a paper (for the rare occasion in German) at the Dramturgien des Anfangens (Dramaturgies of Beginning) at Freie Universität in Berlin. The dates are 7-9 of November and the Abstract is below.

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Eine öffentliche Tagung am Institut für Theaterwissenschaft

Abstract:

Dramatisierung als Technik: Affektive Zeitlichkeit in Collective Writing Machines

Gilles Deleuze verwendet den Begriff der Dramatisierung konsequent in Verbindung mit der Frage nach der Aktualisierung von Ideen durch raum-zeitlichen Dynamiken. Wie ergeben sich raum-zeitliche Erfahrungsgefüge anhand von (virtuellen) Kräften und ihren Beziehungen? Der Frage der Aktualisierung nachgehend, entwirft Deleuze (auch in Zusammenarbeit mit Guattari) ein Denken der Aktualisierung, sprich der Emergenz und möglichen Dauer von raum-zeitlichen Manifestationen. Entgegen einer phänomenologischen Annahme von Erfahrung als körperlich geformter Wahrnehmung von Welt, befasst sich der Prozess der Dramatisierung hier mit den nicht-körperlichen, aber realen, Verhältnissen und Singularitäten, deren Dynamiken, Ideen, und Konzepte und wie diese körperliche Erfahrungen hervorbringen. Es handelt sich hierbei eben nicht um einen Prozess der Materialisierung ideell geformter Einheiten oder Prozesse sondern um einen Differenzierungsakt zwischen virtuellen Verhältnissen und empfundenen Qualitäten sowie Singularitäten und geformten Entitäten. Der dynamische Prozess der Dramatisierung unterstreicht, dass es sich im Wechselspiel zwischen Virtualität und Aktualität nicht um lineare Abläufe handelt, sondern um die Hervorbringung von extensiven raum-zeitlichen Gefügen durch die Bewegung von Verhältnissen und Singularitäten entlang eines intensiven Felds. Die Problematik der Dramatisierung verweist auf eine Form der Zeitlichkeit und Räumlichkeit innerhalb der körperlichen Erfahrung, die eine vor-individuelle intensive Tiefe und deren Differenzierungserie voraussetzt.

Wie lässt sich der dynamische Prozess der Dramatisierung im künstlerischen Kontext von Kreativprozessen verstehen? Ich werde hierzu die von Diego Gil entwickelte Performance Collective Writing Machines untersuchen. Die Performance befasst sich mit Prozessen der Wahrnehmung während dem Schreibakt. Die TeilnehmerInnen werden gebeten in verschiedenen Intervallen und mit jeweils unterschiedlichem Aufmerksamkeitsfokus (auf den eigenen Körper, die Umwelt, oder einer Imagination) gemeinsam in einem Raum beim Sitzen und später beim Gehen zu schreiben. Mittels dieser Performance wird deutlich, dass sich Aufmerksamkeit anhand von aktualisierten ebenso wie virtuellen Tendenzen konstituiert, im körperlichen Denken ebenso wie im intensiven Feld der Potenzialität. Dramatisierung in diesem Fall beschreibt die heterogene und heterochrone Bewegung zwischen Aktualität und Virtualität als „a-modalen“ relationalen Prozess zu verstehen (Massumi). Wie können wir diesen Dramatisierungsprozess als kontinuierlichen Übergang begreifen, als ein Verknüpfen von dynamischen Beziehungen? Speziell im Hinblick auf die affektive Wirkung von Zeitlichkeit und ihrem „Timing“ wird Dramatisierung hier zu einer ästhetischen Technik.

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